bastelbude Lieber grob richtig als präzise falsch

14Nov/070

Hellgate: London – Ein würdiger Diablo-Nachfolger?

hellgate_london.jpgWenn ein PC-Spieler Diablo liest, geht ihm meist das Herz auf. Nicht nur war das ursprüngliche wiki(Diablo) ein Meilenstein der PC-Geschichte war, sondern auch weil sich der Nachfolger wiki(Diablo 2) auch nach 7 Jahren (!!!) größter Begeisterung erfreut. Wen verwundert es da, dass die Hoffnungen aller Diablo-Fans auf einen etwas moderneren Nachfolger in wiki(Hellgate London) ruhen.

Von Anfang an waren an wiki(Hellgate London) ehemalige Diablo-Entwickler am Werk, die die Stärken des Rollenspielklassikers (stimmige Atmosphäre, dynamisch generierte Level, unzählige Waffen, Rüstungen und Items, ausbalancierter Multiplayer) mit einer modernen Grafik und frischen Konzept verbinden wollten. Das Ergebnis ist eine Mischung zwischen erfolgreicher Communityarbeit und verpasster Chancen.

Story

hellgate1.jpgwiki(Diablo) und wiki(Diablo 2) waren nicht nur spielerisch ein Meilenstein; auch die Art und Weise, wie die Geschichte vorangetrieben wurde war für damalige Verhältnisse einzigartig. Sehr viel Zeit und Geld wurde in die Zwischensequenzen investiert, die noch heute zu dem Besten zählen, was man je gesehen hat. Hellgate: London geht einen ähnlichen Weg. Auch hier wird die Story vorallem von den Zwischensequenzen (ebenfalls gerendert, nicht in Spiele-Grafik) getragen und im Spiel durch Quests quasi nur fortgeführt.

Die Welt von Hellgate: London spielt in nicht allzu ferner Zukunft. In London öffnen sich über "schwachen" Punkten der Stadt Tore zur Hölle, durch die eine unaufhaltsame Armee von Dämonen strömt. Die Armee wird hinweggefegt und nur der Templerorden scheint ein (kleines) Gegengewicht darzustellen. Die Überlebenden flüchten in den Londoner Untergrund und führen den Kampf gegen das Böse fort.

Man hat sich viel Mühe gegeben, Hellgate zu etwas Nachhaltigem zu machen: London soll nur der Erste Schritt sein, ein Franchise ist nicht ausgeschlossen. Unterstützt wird das ganze durch einen Roman und ein Comic, die beide zum Verkaufsstart erhältlich sind und die Geschichte von Hellgate: London noch tiefer ausschmücken.

Leider verpasst es Flagship aber, diese Story im Spiel auch den Stellenwert zu geben, den sie eigentlich bräuchte. Dialoge sind generell nur in Text gefasst. Im Spiel erhät man Video-Nachrichten von in Not geratenen Templern, die aber außer einem animierten Bild ebenfalls nur Text wiedergeben. Nur zu gerne drückt man immer auf "weiter".

Grafik

hellgate2_1.jpgDie Grafik - das deutete sich schon auf frühen screenshots an - ist absolut auf der Höhe der Zeit. Zwar kann Hellgate: London nicht mit Spielen wie Crysis oder Unreal Tournament 3 mithalten, dafür ist es auch auf älteren Modellen erstaunlich performant. Auf meinem AMD64 3800 mit 2GB Ram, einer GeForce 6800 GT (256MB) und einem 32bit Windows Vista Ultimate wurde eine Standardeinstellung von 1280x1024 mit maximalen Details und "mittlerem" AntiAliasing vorgeschlagen. Dabei hatte ich nur vereinzelt FPS-Probleme, ansonsten lässt es sich flüssig spielen.

Ein großer Teil der Umwelt ist sehr liebevoll gestaltet: durch den dämonischen Einfluss aufgebrochener Asphalt, Plakate in U-Bahnstationen, zerstörbare Kisten und Fässer (die allerdings nur den Gegner verletzen) usw. - doch gibt es auch negative Beispiele: ein ausgebrannter Panzer schaut aus wie ein dicker, schwarzer Pixel. Eine Fensterfront ziert der gleiche aufgebrochene Asphalt wie den Boden, Grafitti das man in einem Teil der Stadt sieht, wird man ein dutzend mal wiedersehen. Leider wiederholen sich nicht nur die Details, sondern auch die Umgebung sehr oft und häufig. In jedem Tunnel hat man das Gefühl, doch schonmal dort gewesen zu sein. Jedes Stück Kanalisation kennt man auswendig und wie der Level hinter einer Biegung weitergeht, weiss man oft schon vorher. Die große Ankündigung dynamisch generierte Welten zu bieten, fällt hier in's Wasser. Die dynamisch generierten Teile der Welt sind nur die Tunnel und U-Bahn. In den Außenwelten hat man sich darauf beschränkt dem Spieler ein möglichst realitätsnahes (und statisches) London zu bieten. Der Rest macht den Eindrück eines Sandkastens voll Lego - viele kleine und große Steine, aber alles was draus gebaut wird ist irgendwie vorhersehbar.

Zumindest ein bischen entschädigen da die Kampfeffekte und Spells, die schön anzusehen sind und einen im Kampf immer wieder positiv überraschen können.

Gameplay

hellgate3.jpgWas sofort auffällt ist der lineare Aufbau von HG:L. Das zeigt sich nicht nur im schon angesprochenen Lego-Prinzip der Level, sondern auch wie man hindurchgeführt wird. Der Weg von einem Abschnitt in den nächsten ist solange versperrt, bis man einen bestimmte Quest erfüllt hat. Danach geht es durch 2-3 Tunnel bis zur nächsten "Stadt", die generell in einer U-Bahnstation gefunden werden kann. Das schränkt die Erfahrung eine Welt zu bereisen erheblich ein und man verfällt schnell in ein "gradeaus und alles kaputtmachen was einem entgegenkommt" Muster.

Unterstützt wird dieser abwechslungsarme Ablauf von den noch abwechslungsarmeren Quests. Hier einen Boss töten, da 15 Dämonenaugen besorgen, danach nochmal 10 Zombies töten um schließlich nochmal 15 Dämonenkeiler zurück in die Hölle zu schicken: *gähn*.

Zwischen dem Metzeln kann man - ganz in gewohnter RPG-Manier - die Attribute, Fähigkeiten und Items (Waffen, Rüstung, ...) des eigenen Charakters verändern, wobei es nicht so schlimm ins Gewicht fällt sich mal "verskillt" zu haben wie in wiki(Diablo 2). Gesockelte Waffen (hier: Mods) und ein Tausch- und Craftingsystem für gefundene Items sorgen für einen stärkeren Einfluss des Handels. So kann z.B. jedes Item zerlegt werden. Die gewonnenen Teile dienen dann der Aufwertung vorhandener Items oder zur Erstellung von neuen.

Fazit

Mein Fazit für HG:L fällt doch eher ernüchternd aus. Zwar hat die Diablo-Fangemeinde lange auf einen würdigen Nachfolger gewartet, sie wird es aber noch eine ganze Weile weiter tun. Die großen Ankündigungen dynamischer Welten, atemberaubenden Gameplays und einem interessanten Spieleuniversums sind nach einigen Stunden in Hellgate: London leider so schnell verpufft wie ein Dämonenfurz im lauen Frühlingswind.
Es langweilt ungemein durch die immer gleichen Räume und Tunnel zu laufen, die immer gleichen (sinnlosen) Quests zu erledigen nur um danach mal wieder an die frische Luft im noch genauso aussehenden London wie vorher zu dürfen. Atomosphäre kommt so wirklich nur stellenweise auf und ich bekomme das Gefühl nicht los, Flagship hat sich mit Hellgate: London übernommen.

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